Von Ehrenamt, Wetterdienst und Robotron – ein Projektbericht

Robotron entwickelt eine Lösung zur Berechnung der Entschädigungszahlungen für ehrenamtlichen Mitarbeiter

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) bietet als nationaler meteorologischer Dienst der Bundesrepublik Deutschland eine reichhaltige Palette von Dienstleistungen für die Allgemeinheit. Zu seinen Kernaufgaben gehört u. a. die Wettervorhersage, die Beratung von Luft- und Schifffahrt sowie der Land- und Forstwirtschaft, die Warnung vor gefährlichen Wetterereignissen sowie die Erfassung klimatischer Veränderungen. Die an ca. 3000 nebenamtlichen Wetterstationen des DWD durch ehrenamtliche Beobachter gewonnenen Daten bilden zusammen mit Radar-, Satelliten- und Radiosondendaten, den Daten der hauptamtlichen Wetterstationen und anderer Quellen, wie Messungen auf Schiffen, Bojen, Flugzeugen u. a., die Grundlage der Arbeit des DWDs. Daher sind sowohl die zuverlässige Durchführung der ehrenamtlichen Beobachtertätigkeit als auch gleichbleibend gute und repräsentative Standortbedingungen Voraussetzung für die Sicherstellung einer hohen Qualität der wetterdienstlichen Tätigkeiten. Die Aufgaben der ehrenamtlichen Mitarbeiter reichen dabei von der Durchführung von konventionellen Messungen über die Bedienung und Wartung von Sensoren bis hin zur Pflege des Stationsgeländes. Für diese Aufgaben erhalten die Mitarbeiter eine Aufwandsentschädigung.

Die vertraglich geregelte Entschädigung für die ca. 3.000 ehrenamtlichen Mitarbeiter wurde jahrelang in einem komplizierten und sehr aufwendigen Prozess ermittelt - eine durchaus fehleranfällige Vorgehensweise. Weiterhin wurde das Verfahren von der Bundeskasse, die für die Auszahlung der Entschädigungen zuständig ist, als nicht mehr konform mit den Bestimmungen über die Mindestanforderungen für den Einsatz automatisierter Verfahren im Haushalts-, Kassen- und Rechnungswesen des Bundes (BestMAVB-HKR) eingestuft. Der DWD benötigte also eine zukunftsfähige Lösung, die das alte FORTRAN-Programm ablöst.

Robotron betreut seit mehr als 20 Jahren die MESSNEV-Applikation beim DWD, in welcher die Metadaten der nationalen und internationalen Wetterstationen gepflegt werden. Diese Metadaten umfassen sowohl Angaben zur regionalen Einordnung einer Station (Standort, Höhe, Besonderheiten etc.) als auch zur Ausstattung mit Geräten und Sensoren sowie die Zuordnung zu Messnetzen und Meldegruppen. Die grundlegende Idee war es, aus genau diesen Metadaten nun die Berechnungen der Entschädigungszahlungen zu generieren.

Gesagt getan: In einem agilen Projektverfahren wurden in mehreren Iterationsschritten die Anforderungen an das neue Modul vollständig spezifiziert und umgesetzt. Da zukünftige Änderungen im Berechnungsprozess nicht auszuschließen waren, wurde bei der Implementierung der Algorithmen ein weitestgehend dynamischer Ansatz verfolgt. Im Ergebnis ist nun sichergestellt, dass einerseits die personenbezogenen Daten und andererseits zahlungsrelevante Daten korrekt und sicher an das Buchungssystem des DWD übertragen werden.

Dank des agilen Projektvorgehens konnten alle notwendigen Anpassungen in relativ kurzer Zeit umgesetzt werden, sodass der Auftraggeber nach Abschluss der Arbeiten ein positives Fazit ziehen konnte und der DWD ab 2020 in die neue Ära der algorithmischen Berechnung der Entschädigungszahlungen für seine ehrenamtlichen Mitarbeiter starten kann.

Bild: © DWD

 

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